Aus der Saurer-Firmenchronik
Von der Giesserei zum Weltunternehmen (1853–1896)
Die Geschichte der Adolph Saurer AG beginnt 1853, als Franz Saurer in St. Georgen bei St. Gallen eine Giesserei gründet. 1863 verlegt er den Betrieb nach Arbon und vereinigt ihn mit der mechanischen Werkstätte von Xaver Stoffel, dem Betrieb seiner zweiten Ehefrau. Schon früh ist die junge Firma mit der Textilindustrie verbunden: Sie giesst Bestandteile für Stickmaschinen. 1869 wird daraus die Firma Franz Saurer & Söhne; im gleichen Jahr entsteht die erste Saurer-Handstickmaschine, 1878 folgt die erste Schifflistickmaschine. Weil die Aufträge aus der krisenanfälligen Stickereibranche stark schwanken, baut Saurer 1888 mit stationären und mobilen Petrolmotoren ein zweites Standbein auf. Vier Söhne des Gründers sterben früh; 1896 steht Adolph Saurer als Einziger an der Spitze des Unternehmens, ab 1903 unterstützt ihn sein Sohn Hippolyt, ein begabter Ingenieur.
Der Weg zum Nutzfahrzeug (1896–1920)
Parallel zu den Motoren beginnt Saurer mit dem Automobilbau: 1896/97 entsteht der erste Vierplätzer mit Einzylindermotor. Ab 1903 konzentriert sich das Unternehmen zunehmend auf Lastwagen, Busse und Militärtransporter und erarbeitet sich rasch einen ausgezeichneten Ruf – 1918 verlassen bereits 261 Lastwagen pro Jahr das Werk. Bereits 1908 entwickelt Saurer, zeitweise mit Rudolf Diesel selbst, einen Dieselmotor, dessen Einbau ins Fahrzeug technisch aber noch nicht gelingt. Nach dem Tod von Adolph Saurer 1920 wird die Firma in eine Aktiengesellschaft mit 30 Millionen Franken Kapital umgewandelt; die Leitung übernimmt Hippolyt Saurer, bis zu seinem Tod 1936.
Diesel-Pionier mit Weltgeltung (1928–1930er-Jahre)
1928 baut Saurer den ersten praxistauglichen Diesel-Lastwagen. 1934 entwickelt das Unternehmen ein eigenes Verfahren zur Diesel-Direkteinspritzung, das 1936 patentiert wird und Saurer-Motoren international bekannt macht: Lizenzen gehen unter anderem nach Österreich, Frankreich, Jugoslawien, Grossbritannien und in die USA. 1929 übernimmt Saurer zudem die Aktienmehrheit an der Berna, dem zweitgrössten Schweizer Lastwagenhersteller.
Kriegsjahre und Nachkriegszeit
Im Zweiten Weltkrieg liefert Saurer vor allem an die Schweizer Armee; von 3235 zwischen 1940 und 1944 gebauten Lastwagen gehen nur 234 in den Export. Nach dem Krieg baut Saurer unter anderem V12-Flugmotoren sowie Dieselmotoren für Bahnwagen und Schiffe, um schrumpfende Exportmärkte zu kompensieren. 1963 erreicht die Belegschaft mit 4513 Mitarbeitenden ihren Höchststand.
Das Ende der eigenständigen Fahrzeugproduktion (1982)
Ende 1982 schliesst sich Saurer mit dem Wetzikoner Nutzfahrzeughersteller FBW (Franz Brozincevic & Cie) zur Nutzfahrzeuggesellschaft Arbon & Wetzikon (NAW) zusammen. Saurer hält 45 Prozent der Anteile, Daimler-Benz 40 Prozent und Oerlikon-Bührle 15 Prozent. Nach fast 80 Jahren Lastwagenbau endet damit die eigenständige Fahrzeugproduktion unter dem Namen Saurer.
