KV-Lehre 1972-1975
Ich machte eine KV-Lehre bei Saurer Arbon und kam so alle 3–4 Monate in eine andere Abteilung.
In der ersten Abteilung war ich in der Registratur beim Kundendienst/Verkauf Nutzfahrzeuge. Ich habe dort unter anderem geholfen, die Korrespondenz von und an Kunden abzulegen; ebenso Offerten oder Reklamationen. Es waren in der Regi (so wurde sie abgekürzt) mehrere Personen tätig.
Einmal wurde ich beauftragt, eine Offerte oder Kaufvertrag dem Prokuristen in einer Fächermappe zur Unterschrift vorbeizubringen. Man sagte mir, die Mappe müsse links von seinem Arbeitsplatz hingelegt werden, wenn er nicht im Büro sei. Wenn ich das nicht einhalte, werde er schimpfen kommen. Ich fragte dann die Leute im Büro, warum ich das links hinlegen müsse. Niemand konnte es mir erklären; so habe ich sie dann rechts hingelegt, weil ich wissen wollte, warum das so gewünscht wird.
Und prompt kam der Prokurist und fragte, wer die Unterschriftenmappe rechts hingelegt hätte. Ich meldete mich und sagte, dass ich dies mit Absicht gemacht hätte, denn niemand habe mir den Grund sagen können, warum das links liegen müsse. So hat er es mir erklärt; die Anwesenden haben es dann auch gehört. Dann hat er mich gelobt, dass ich mir bei der Arbeit etwas gedacht hätte.
Erfahrungen in der Buchhaltung
Eine Station war auch die Finanzbuchhaltung, wo eine sehr gedämpfte Stimmung herrschte. Ich konnte das dann etwas auflockern und man sagte mir im Büro: «Schön, dass du etwas zur Auflockerung beitragen konntest.» Einmal wurde ich für eine Woche dem Mitarbeiter zugeteilt, der sich mit Fremdwährungen herumschlagen musste. Und am letzten Tag der Woche meinte der Bürochef, ich solle ihm vom Nachbarsbüro Kontoblätter bringen. Ich sagte, ich sei diese Woche nicht für ihn zuständig. Er wurde lauter; ich schaute meinen Betreuer an, der schliesslich nickte. Also ging ich ins Nachbarsbüro, drückte die Türfalle herunter und trottete die Kontoblätter holen. Die Leute in dem Büro fragten mich: «Was ist denn mit Ihnen los?» Ich antwortete, dass ich mir wie ein Elefant im Porzellanladen vorkäme, wo einer …
Als ich dann das Büro wieder verliess, stand im Gang der Bürochef und sagte: «Lehrling, ich wollte nur testen, ob Sie die Nerven verlieren.»
Zeit im Giessereibüro
Eine Station war auch das Giessereibüro. Da verstand ich mich gut mit dem Zuständigen der Brückenwaage. An heissen Sommertagen musste mit dem Wasserschlauch das Blechhüttli gekühlt werden. Wenn eine Wägung angekündigt wurde, konnte man vorkühlen; sonst war das eine heisse Sache. Und der Lehrlingsbetreuer dort hat mir am Anfang gesagt, wenn ich irgendwohin gehe, müsse ich es ihm sagen. Und er kontrollierte es auch, was ich lästig fand. Der Bürochef war ein Schulkollege meiner Mutter; sie war in Arbon aufgewachsen, ich hingegen in Basel. Ich habe ihm einen Gruss von ihr ausgerichtet. Eines Tages kam er nach dem Mittagessen zu mir und teilte mir mit, im Haus meiner Tante brenne es; ich soll hingehen und sehen, ob ich etwas helfen könne. So ging ich hin, musste aber nicht helfen.
In der zweitletzten Woche im Giessereibüro sagte ich dann dem Lehrlingsbetreuer: «So jetzt kommt eine ruhige Zeit und Sie müssen nicht mehr dem Lehrling hinterherlaufen.» Er war ganz verunsichert und ich bekam ab dann täglich etwas aus seinem Garten zum Znüni oder Zvieri.
Rückblick
Schön war die Zeit bei Saurer Arbon. Nach der Lehre blieb ich noch 1 1/2 Jahre in der MAP als technischer Berichteschreiber für die Produktion oder Konstruktionsbüro wie auch Einkauf etc. Es zog mich dann wieder in meine Geburtsstadt Basel, wo ich noch in der Rep’-Werkstatt von Saurer Basel Rechnungen schrieb. Anschliessend wechselte ich zum Staat Basel, wo ich während 40 Dienstjahren im Rechnungswesen tätig war.
11. August 2024 – F. Xaver Suter
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