Max Bühler

Modellschreinerlehre 1968-1972

Nach bestandenem Eignungstest bekam ich die Zusage, bei SAURER die Modellschreinerlehre machen zu können.

Mein Grossvater (damals Schmied bei der Traktorenfabrik Bührer) meinte, dass ich ein grosses Glück hätte, bei einer solchen Firma die Lehre zu machen.

Am Eintrittstag wurde mein Lehrlingskollege und ich mit dem Büssli ins Werk 2 gebracht. Zuvor hatte uns Herr Luzzi Gross eine Einführung gegeben und den Tagesablauf erklärt. Unter anderem erfuhren wir, dass jeder Lehrling eine kurze Znünipause machen dürfe. Mit diesem Wissen wurden wir in der Modellschreinerei abgeliefert. Dort nahm uns Herr Henauer, dazumal Meister, und Herr Willi Protzer, Lehrlingsausbildner, in Empfang.

Nach kurzer Einführung ging es schon los.

Im Mittelboden (Holzlager) ein geeignetes Brett holen und nach oben schleppen. Mit der Handsäge das Brett zuschneiden und mit dem Handhobel bearbeiten. Bei mir ging das allerdings nicht, weil der Hobelbank für mich zu hoch war. Also kurzerhand dessen Beine kürzen, damit er für mich passte.

Dann war es bereits Zeit für unsere erste Znünipause. Mein Kollege und ich nahmen auf dem Hobelbank Platz und freuten uns auf das Znünibrot. Kaum ausgepackt, «düste» Herr Protzer um die Ecke. Mit hochrotem Kopf erteilte er uns eine Lektion in Sachen Znüniessen. «Bei uns wird während der Arbeit und im Stehen gegessen. Hier sitzt niemand.»

Am Freitag mussten wir Stiften immer die Maschinen putzen.

Dazu gehörte auch eine Drehbank mit Keilriemenantrieb. Um diese reinigen zu können, musste man auf der Leiter ca. 3 Meter hochsteigen. Das hielt aber Herrn Henauer nicht ab, nachzuprüfen, ob die Antriebsräder und Speichen sauber seien. Mit dem Zeigefinger fuhr er dem Rad entlang und strich uns das Resultat auf die Wange.

Um den Klötzliboden zu putzen, mussten wir in der Werkzeugausgabe jeweils einen Reisbesen ausfassen. Mein Besen hatte kaum noch Borsten und Putzen war damit unmöglich. Also beschwerte ich mich und wollte einen besseren Besen haben. «Für die Stiften reicht der Besen allemal», war die Antwort. Etwas erzürnt habe ich den Besen einfach zersägt. Dass dies eine schlechte Idee war, erfuhr ich sogleich. Antraben bei Herrn Henauer und Strafarbeit am Samstagmorgen.

Gratis Maschinen putzen.

Mehr als ein halbes Jahr mussten wir alle Arbeiten am Holz von Hand ausführen. Dazu gehörten auch die wichtigsten Holzverbindungen. Maschinen benützen strengstens verboten.

Eines Tages (ich war schon Stunden mit der Feile beschäftigt und die Winkel wollten einfach nicht stimmen) entschloss ich mich nach kurzer Abwesenheit von Herrn Protzer, die Schleifmaschine zu benutzen. Damit das nicht auffiel, habe ich noch etwas mit dem Schleifpapier nachgeholfen. Dann habe ich mein Lehrstück zur Kontrolle gegeben. Alle Winkel und Masse wurden geprüft.

Kommentar vom Lehrmeister:

«Bühler», – wir wurden nie mit dem Vornamen angesprochen –, «es geht doch!» Total aufgestellt, wenn auch im Bewusstsein, dass ich geschummelt hatte, freute ich mich auf die nächste Aufgabe. «Bühler, chum mit», lautete die Aufforderung. Zusammen gingen wir Richtung Bandsäge. Kurz eingeschaltet, schob Herr Protzer mein Lehrstück durch die Säge und die entstandenen Teile in die Holzkiste.

«So, Bühler, jetzt mached mer alles nomol, ohni Schliefmaschine.»


9. August 2024 – Max Bühler

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