Hans Fischer

Lastwagenmechanikerlehre 1955–1959

Wie mein lieber Freund Hans Stacher in der letzten Gazette 126 schreibt, begannen seine Lehrjahre anno 1961, mit den Lehrmeistern Roman Willi und Hans Eugster, welche bereits bei meinem Jahrgang anno 1959 die Lehrabschlussprüfungen abgenommen haben und uns dabei moralisch fest unterstützten.

Wie war es, als wir 1955 in die LW (Lehrwerkstatt) eintraten? Da gab es nur einen Lehrmeister und der wurde von allen „Migg“ genannt. Er war ein sehr strenger Lehrmeister und vor allem Ordnung und Genauigkeit waren seine Hobbys! Seine äussere Erscheinung: Boxbart, Glatze mit einer wandernden Beule. Wehe, wenn sie vorne auf der Glatze war, dann wurde Migg unangenehm laut. Vor seinem Meisterbüro stand ein grosser Amboss – mit einem grossen Hammer.

Wehe, wenn etwas nicht genau war! So gab es bei ihm nur eine Lösung: Hammer und Amboss! Und der Lehrling durfte von vorne beginnen. Das war für uns Stiften sehr ärgerlich, denn alle wollten ja so schnell wie möglich fertig sein, um aus der Lehrwerkstätte austreten zu können.

Der erste Tag in der Lehrwerkstatt

Der erste Tag in der LW: Es wurde uns ein Platz an einer 2er-Werkbank zugewiesen. Mich traf es mit Emil Egger jun. aus St. Gallen und hinter mir mein zeitlebens lieber Freund Erwin Altherr, mit dem ich dann in Egnach in einem Stall eine Mopedwerkstätte einrichtete, um an etwas Sackgeld zu kommen. (40.– Fr. Monatslohn / Zimmer auch 40.– Fr.) Unser Chef Migg machte an meinem Platz eine Musterordnung, wie er es haben wollte. Dann ging die Arbeit los, und wir arbeiteten bis zur Mittagspause.

Als wir vom Mittagessen zurückkamen, waren wir alle geschockt. Alles, was wir auf unseren Werkbänken liegen gelassen hatten, lag auf dem Boden und in der Mitte ein schäumender Migg, mit der Drohung, wenn es nochmals vorkomme, werde er es jeden Tag abräumen. Das war für uns die Grundschule von Ordnung und Genauigkeit, was mir später alle Mitlehrlinge auch bestätigten. In der gleichen Klasse hatten wir einen Stift, dessen Vater Postautohalter war, und sein Sohnemann meinte zum Migg nach der obigen Aufregung: „Ich sage es meinem Vater.“

Eine unvergessliche Szene

Migg packte ihn am viel zu grossen Überkleid und verabschiedete sich von ihm mit einem Tritt in den … und sagte: „Sage es ruhig deinem Vater.“ Aber nichts Weiteres passierte, nur dass der Sohnemann während der ganzen Lehre damit gehänselt wurde.

Ein ruhigerer Abschluss

Während dem letzten Monat unserer Lehre kam dann Luzi Gross als zukünftiger LW-Chef zu uns, und der Betrieb wurde wesentlich ruhiger.


2023 – Hans Fischer, Chur

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