{"id":387,"date":"2026-05-19T17:36:26","date_gmt":"2026-05-19T17:36:26","guid":{"rendered":"https:\/\/saurer-archiv.ch\/?p=387"},"modified":"2026-06-15T05:44:14","modified_gmt":"2026-06-15T03:44:14","slug":"werner-kuenzler-maschinenschlosser-lehrzeit-1959-1963","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/saurer-archiv.ch\/en\/werner-kuenzler-maschinenschlosser-lehrzeit-1959-1963\/","title":{"rendered":"Werner K\u00fcnzler"},"content":{"rendered":"<h3>Maschinenschlosserlehre 1959-1963<\/h3>\n<p>Die Lehrlingsausbildung bei Saurer vor 50 Jahren war stark gepr\u00e4gt von traditionellen Methoden und einem Fokus auf handwerkliche F\u00e4higkeiten. Die Ausbildung war stark auf die Bereiche von Nutzfahrzeugen und Textilmaschinen ausgerichtet. Saurer bildete in den 60er bis 70er Jahren bis 400 Lehrlinge aus.<\/p>\n<p>Die Lehrlinge im handwerklichen Bereich haben nach der Grundausbildung in der Lehrwerkstatt in verschiedenen Abteilungen rotiert, um ein breites Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Produktion und die verschiedenen Prozesse zu entwickeln. Die Ausbildung war stark auf praktische Fertigkeiten wie Maschinenbedienung, Montage und Wartung ausgerichtet.<\/p>\n<p>Die Ausbildung war auch hierarchisch, mit klaren Strukturen und Autorit\u00e4t innerhalb des Unternehmens ausgerichtet. Die Lehrlinge wurden von erfahrenen Handwerkern und Fachleuten unterrichtet und angeleitet.<\/p>\n<p>Die Ausbildung war stark von mechanischen Systemen gepr\u00e4gt, da elektronische und computergesteuerte Maschinen vor 50 Jahren noch nicht verbreitet waren. Wir Lehrlinge haben also vor allem mit mechanischen Systemen, wie Fr\u00e4s-, Dreh- und Schleifmaschinen gearbeitet und auch gelernt, im textilen Bereich Web- und Stickmaschinen und im Auto- und Motorenbereich komplexe Montagen durchzuf\u00fchren.<\/p>\n<h4 style=\"margin-top: 30px;\"><strong>Zu meiner pers\u00f6nlichen Lehrzeit:<\/strong><\/h4>\n<p>Ein Eintrittstest war obligatorisch und deutete darauf hin, dass das Unternehmen qualifizierte Bewerber ausw\u00e4hlen wollte, die \u00fcber das notwendige Grundwissen und die F\u00e4higkeiten verf\u00fcgten, um erfolgreich in der Ausbildung zu sein. Die Ausbildung war anspruchsvoll und setzte hohe Standards. Sie zielte darauf ab, qualifizierte Fachkr\u00e4fte f\u00fcr das Unternehmen auszubilden und zu f\u00f6rdern. Deshalb war eine Lehre bei Saurer auch sehr beliebt und ein grosser Teil der Absolventen blieb nach der Lehrzeit im Betrieb oder bildete sich weiter. So waren viele der Absolventen sp\u00e4ter auch in leitenden Funktionen t\u00e4tig oder liessen sich als Techniker und Ingenieure ausbilden.<\/p>\n<p>Die Teilnahme an ausserschulischen Aktivit\u00e4ten wie Sportvereinen war von der Genehmigung des Lehrlingschefs, Herr Tanner, abh\u00e4ngig und auf Leistungen im Betrieb abgest\u00fctzt. Das zeigt eine strenge Kontrolle und einen Fokus auf die berufliche Entwicklung der Lehrlinge. Das Unternehmen legte grossen Wert auf die Disziplin und das Engagement seiner Lehrlinge und wollte sicherstellen, dass ihre Zeit ausserhalb des Betriebs auch dazu genutzt wurde, die F\u00e4higkeiten und Leistung zu verbessern.<\/p>\n<p>Meine Lehrzeit als Maschinenschlosser dauerte von 1959 bis 1963. Ich bin mit \u00fcber 180 Lehrlingen ins erste Lehrjahr eingetreten. Neben Maschinenschlosser-, Dreher- und weiteren mechanischen Berufen waren auch Konstrukteure und kaufm\u00e4nnische Lehrlinge dabei.<\/p>\n<h4 style=\"margin-top: 30px;\"><strong>Einige Erlebnisse aus meiner Lehrzeit:<\/strong><\/h4>\n<p>In die Lehrwerkstatt bin ich am 1. April mit einem viel zu grossen \u201e\u00dcbergw\u00e4ndli\u201c meines Vaters eingetreten. Dazumal war die Abgabe eines \u201eSaurer-Gw\u00e4ndlis\u201c noch nicht \u00fcblich. Roman Willi hat den Betrieb mit starker Hand geleitet. Hans Eugster, mein Lehrlingsausbilder, war ebenfalls sehr streng und hat uns kompetent \u00fcberwacht. Wie sicher noch einige von Euch wissen, waren die ersten Wochen vom Feilen gepr\u00e4gt. Bei einem U-Eisen mit etwa 5 cm Schenkelh\u00f6he und etwa 8 mm Schenkeldicke mussten die Schenkel bis auf die Grundplatte heruntergefeilt werden, was nicht nur bei mir schon am ersten Tag eine grosse Blase verursachte. Das Feilen f\u00fcllte mich dann, mit Heftpflastern an der Hand, voll aus. Erst sp\u00e4ter waren dann das Feilen von ebenen Fl\u00e4chen mit leicht konkaver Oberfl\u00e4che ebenso eine langwierige \u00dcbung. Genaue Einpassarbeiten, L\u00f6t- und Schmiedearbeiten waren ebenfalls Inhalt der Ausbildung. Alles Dinge, die heute kein Mechanik-Lehrling machen kann und auch muss, denn computergesteuerte Maschinen nehmen ihm diese Arbeiten ab.<\/p>\n<p>In Erinnerung ist mir auch noch das Teeholen in der Saurer-Betriebskantine. Die Flaschen waren \u00fcbrigens meist rundum verklebt, da \u201ekiloweise\u201c gezuckert wurde! F\u00fcr den Bezug gab es \u201eSaurer-M\u00fcnzen\u201c, die sich auch eigneten, um in meinem Stammlokal die Juke-Box zu bedienen, bis mir die Wirtin auf die Schliche kam!<\/p>\n<p>Der Zutritt zum Werk I war \u00fcber zwei Eing\u00e4nge m\u00f6glich. Der eine Eingang f\u00fcr die Arbeiter und der zweite f\u00fcr die Angestellten. Wehe, wenn wir Lehrlinge mal versuchten, den Herren-Eingang zu benutzen! Wir wurden zur\u00fcckgepfiffen und mussten rund um den Marktplatz zum anderen Eingang laufen.<\/p>\n<p>In der Textilmaschinenmontage kann ich mich noch gut an eine Episode erinnern. Ich musste innerhalb einer Arbeitergruppe Sch\u00fctzenk\u00e4sten f\u00fcr Webmaschinen montieren. Schon nach einigen Tagen hat mich der Gruppenf\u00fchrer ermahnt, nicht so schnell zu arbeiten, da sie sonst einige \u201eBedaux\u201c verlieren w\u00fcrden! Dieses Akkordsystem, das dazumal \u00fcblich war, mass die Leistung und war damit lohnmassgebend.<\/p>\n<p>In der Automontage unter Meister Reich kippte mir eine Hinterachsfeder auf den Fuss und quetschte mir zwei Zehen. Der Meister verbot mir, den Sanit\u00e4tsposten aufzusuchen: \u201eTu doch nicht so wehleidig, da beisst man durch!\u201c Diese Zehen verursachen mir auch noch heute Beschwerden, wenn sich der Fuss stark abk\u00fchlt.<\/p>\n<p>Soweit ich mich erinnern mag, war ich stets ein \u201ebraver\u201c Lehrling und habe, soweit ich mich erinnern kann, nur einmal ges\u00fcndigt! Wir haben die Berufsschule noch in der Saurer-Berufsschule, stirnseitig am Ersatzteillager am See, besucht. Am Ende eines Schultages fielen die letzten Stunden aus und wir wurden aufgefordert, wieder in den Betrieb arbeiten zu gehen. Aber die freien Stunden lockten mich und einige Kollegen allzu sehr und wir haben geschw\u00e4nzt. Nat\u00fcrlich hat unser Lehrlingschef davon erfahren und wir durften zur Strafe w\u00e4hrend drei Samstagen von 7 \u2013 12 Uhr im Archivkeller aufr\u00e4umen. Dabei haben wir wohl auch \u201eunbewusst\u201c einiges falsch eingelagert und Roger Kohler musste sicher in letzter Zeit wieder etwas ordnen!<\/p>\n<p>Im 3. \u2013 4. Lehrjahr (ab Alter 18) konnten wir dann die Lastwagen-Fahrschule auf einem \u201eSaurer SV2C\u201c bei Herrn Josef Brunner Senior besuchen. Die Firma \u00fcbernahm f\u00fcr uns die Kosten. Wir mussten nur die Ausweise bezahlen. Nat\u00fcrlich war das ebenfalls nur bei entsprechender Leistung in Schule und Betrieb m\u00f6glich!<\/p>\n<h4 style=\"margin-top: 30px;\"><strong>Ver\u00e4nderungen ab den 80er Jahren<\/strong><\/h4>\n<p>Viele Ver\u00e4nderungen w\u00e4hrend meinen aktiven Berufsjahren bei Saurer von 1959 bis 2003 in der Lehrlingsausbildung habe ich hautnah miterlebt, war ich doch w\u00e4hrend dieser Zeit stets auch in der Ausbildung involviert. Die Firma wurde ja laufend redimensioniert und hatte grosse Auswirkungen bei der Lehrlingsausbildung und die Zahl der Lehrlinge wurde laufend reduziert.<\/p>\n<p>Im Jahr 1995 wurde die Mechanik-Lehrwerkstatt von Ren\u00e9 Schlappritzi aufgel\u00f6st und ich wurde, neben den Aufgaben als Meister und sp\u00e4ter als Fertigungsleiter, f\u00fcr die Ausbildung und die Belange der Mechanik-Lehrlinge verantwortlich. Die Grundausbildung der Lehrlinge fand w\u00e4hrend eines Jahres in der Firma Bruderer Frasnacht statt. Meine Aufgaben umfassten die Rekrutierung von je zwei Lehrlingen pro Lehrjahr, die Erstellung von Instruktionsunterlagen und Einsatzpl\u00e4nen in den Werkst\u00e4tten. Erg\u00e4nzungskurse wurden bei Swissmechanic in Weinfelden durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>2002 k\u00fcndigte die Firma Bruderer den Vertrag \u201eGrundausbildung\u201c und die Lehrlinge wurden in der Firma Starrag Rorschach ausgebildet.<\/p>\n<p>Eine kleine Episode m\u00f6chte ich aber noch erw\u00e4hnen. Andreas Bischof, gesamtverantwortlich f\u00fcr die Ausbildung und heute Leiter der Lehrlingsausbildung bei B\u00fchler Uzwil, organisierte j\u00e4hrlich eine Lehrlingsexkursion f\u00fcr die 4. Lehrjahre. 1996 f\u00fchrte eine Reise nach M\u00fcnchen ins Deutsche Museum und nat\u00fcrlich auch ins Hofbr\u00e4uhaus. Zu Beginn unserer Reise nach M\u00fcnchen wurde unsere Gruppe kurz nach der Grenze in \u00d6sterreich kontrolliert. Einer der Zollbeamten war mit Hund unterwegs und hat wohl bei drei von unseren Lehrlingen und Lehrt\u00f6chtern etwas \u00c4hnliches wie Hanf gerochen. Jedenfalls wurden die drei im Grenzzollamt Lindau zur\u00fcckgehalten und durften nach einigen Stunden die Reise wieder nach Hause antreten. Nicht alle sind wieder direkt nach Hause zur\u00fcckgekehrt, sondern haben die Stunden bis zu unserer offiziellen R\u00fcckkehr bei einem Kollegen verbracht.<\/p>\n<hr style=\"margin: 40px 0;\" \/>\n<p><em>16. Mai 2024 \u2013 Werner K\u00fcnzler, Arbon<\/em><br \/>\n<a class=\"mein-button\" href=\"https:\/\/saurer-archiv.ch\/en\/anekdoten-lehrzeit\/\"><br \/>\n\u2190 Zur \u00dcbersicht Anekdoten<br \/>\n<\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Maschinenschlosserlehre 1959-1963 Die Lehrlingsausbildung bei Saurer vor 50 Jahren war stark gepr\u00e4gt von traditionellen Methoden und einem Fokus auf handwerkliche [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"site-sidebar-layout":"default","site-content-layout":"","ast-site-content-layout":"default","site-content-style":"default","site-sidebar-style":"default","ast-global-header-display":"","ast-banner-title-visibility":"","ast-main-header-display":"","ast-hfb-above-header-display":"","ast-hfb-below-header-display":"","ast-hfb-mobile-header-display":"","site-post-title":"","ast-breadcrumbs-content":"","ast-featured-img":"","footer-sml-layout":"","ast-disable-related-posts":"","theme-transparent-header-meta":"default","adv-header-id-meta":"","stick-header-meta":"","header-above-stick-meta":"","header-main-stick-meta":"","header-below-stick-meta":"","astra-migrate-meta-layouts":"set","ast-page-background-enabled":"default","ast-page-background-meta":{"desktop":{"background-color":"var(--ast-global-color-5)","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""},"tablet":{"background-color":"","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""},"mobile":{"background-color":"","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""}},"ast-content-background-meta":{"desktop":{"background-color":"var(--ast-global-color-4)","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""},"tablet":{"background-color":"var(--ast-global-color-4)","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""},"mobile":{"background-color":"var(--ast-global-color-4)","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""}},"slim_seo":{"title":"Werner K\u00fcnzler - Saurer Archiv","description":"Maschinenschlosserlehre 1959-1963 Die Lehrlingsausbildung bei Saurer vor 50 Jahren war stark gepr\u00e4gt von traditionellen Methoden und einem Fokus auf handwerklic"},"_slim_seo_primary_term_category":0,"_slim_seo_primary_term_post_tag":0,"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-387","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-saurer-lehrling"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/saurer-archiv.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/387","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/saurer-archiv.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/saurer-archiv.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/saurer-archiv.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/saurer-archiv.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=387"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/saurer-archiv.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/387\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":975,"href":"https:\/\/saurer-archiv.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/387\/revisions\/975"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/saurer-archiv.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=387"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/saurer-archiv.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=387"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/saurer-archiv.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=387"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}